Beispielsweise Schülerinnen und Schüler: Für Pia, 10. Klasse, war zu Beginn der Corona-Pandemie der geteilte Unterricht die größte Herausforderung. "Ich hatte in der Betreuung auch einmal andere Lehrer und war mit anderen Schülern in einer Gruppe", sagt die Schülerin der der Agnes-Neuhaus-Schule, in der Kinder mit Förderbedarf von der ersten bis zur sechsten Klasse unterrichtet werden.
"2020 war ganz neu", fasst es ein anderes Kind zusammen. Alle Bereiche des SkF Gießen mussten sich darauf einlassen. Häufig ging es darum, Beziehungen auch digital zu gestalten: Gespräche zwischen Personal und Eltern von Kita-Kindern, aber auch zwischen Eltern und ihren Kindern, die in stationären Einrichtungen leben, wurden auf Video umgestellt. Kita-Kinder nahmen per Tablet am Morgenkreis ihrer Gruppen teil. Manchmal lag die Lösung dagegen in persönlichen Angeboten: Weil Hilfsbedürftige nicht mehr in die Beratungsstellen und Kita-Kinder in die Einrichtungen kommen konnten, wurden Kinder von Erzieherinnen zum Spaziergang abgeholt und Kleiderpakete für Neugeborene nach Hause gebracht.
Die Feier zum 100-jährige Jubiläum des SkF musste pandemiebedingt abgesagt werden. "Wir haben eine Festschrift herausgegeben und werden am 3. September 2021 mit einem Gottesdienst im Dom feiern", sagt Maria Graubert-Bellinger, Vorstand des SkF Gießen. "Die Gesundheit von Gästen, Mitarbeitenden und Mitgliedern geht definitiv vor. Und wir benötigen unsere Kräfte auch an anderer Stelle", sagt die Vorsitzende.
Zum Beispiel für den Einsatz gegen häusliche Gewalt: Die Interventionsstelle (IST), die Betroffene berät, wurde 2020 häufiger kontaktiert als je zuvor. Es kamen 239 Menschen in die Beratung, im Vergleich zu 208 im Vorjahr. Pro Klientin wurden auch deutlich mehr Beratungsgespräche geführt, nämlich 876 im Vergleich zu 540 im Jahr 2019. Die Zahlen der Beratungsstelle, wie auch die aus anderen Quellen weisen darauf hin, dass häusliche Gewalt, von der zum großen Teil Frauen betroffen sind, in der Corona-Pandemie zunimmt.